Der Finanzausschuss in Deutschland hat einen Vorschlag der Grünen abgelehnt, der die Steuerbefreiung für Kryptowährungen nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr beenden sollte.
Der Gesetzentwurf, eingebracht von Bündnis 90/Die Grünen, argumentierte, dass die aktuelle Regelung eigentlich für physische Vermögenswerte wie Antiquitäten gedacht war, die im Keller gelagert werden, und nicht für digitale Währungen.
Nach aktueller deutscher Gesetzgebung sind Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen von der Kapitalertragsteuer befreit, wenn sie länger als zwölf Monate gehalten werden.
Vier Fraktionen: Vier verschiedene Einwände
Die CDU/CSU lehnte die Maßnahme aus Gründen der Fairness ab und argumentierte, sie würde eine neue Ungleichheit schaffen, anstatt eine bestehende zu lösen. Nach dem Vorschlag der Grünen würden Kryptowährungen anders besteuert als vergleichbare Vermögenswerte wie Edelmetalle und Fremdwährungen. Deutschland hat sich insbesondere durch die Ein-Jahres-Regel einen krypto-freundlichen Ruf erarbeitet.
Die AfD wies den Entwurf aus grundsätzlichen finanzpolitischen Gründen zurück und argumentierte, Deutschland solle den Umfang steuerlicher Belastungen eher verringern als ausweiten. Die Partei meinte, der Staat solle sich auf Kernaufgaben wie innere und äußere Sicherheit sowie das Justizsystem konzentrieren.
Die SPD vertrat eine zurückhaltendere Position. Sie befürwortet grundsätzlich eine Besteuerung von Kryptowährungen, möchte aber mit konkreten Regelungen warten, bis Finanzminister Lars Klingbeil eigene Vorschläge präsentiert. Die Haltung der SPD spiegelt auch die breitere deutsche Diskussion über Kryptopolitik wider, da die EU die Aufsicht durch MiCA verstärkt.
Nur Die Linke unterstützte die Grünen, verwies aber auf Schwächen im Entwurf. Die Partei kritisierte einen erheblichen Verwaltungsaufwand und ein fehlendes Limit bei der Verlustverrechnung aus Krypto-Handel. Diese Lücke könnte nach ihrer Einschätzung die steuerlichen Netto-Mehreinnahmen deutlich schmälern.
Elf Komma vier Milliarden Euro Krypto-Steuerschätzung reicht nicht aus
Die Grünen verwiesen auf eine Studie des Frankfurt School Blockchain Center, wonach jährlich bis zu elf Komma vier Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen möglich seien. Die Partei nutzte in ihren Berechnungen etwa die Hälfte dieser Summe, um vorsichtig zu planen. Die Studie fand heraus, dass deutsche Krypto-Investoren im Jahr 2024 Gewinne in Höhe von 47,3 Milliarden Euro erzielt haben, wobei fast zwei Drittel dank der Haltefrist steuerfrei blieben.
Nach der Ablehnung des Gesetzentwurfs bleibt die Ein-Jahres-Regel bei der Krypto-Besteuerung in Deutschland unverändert, auch wenn im Jahr 2026 neue Meldepflichten für Investoren in ganz Europa eingeführt werden. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Vorschläge von Klingbeil die Debatte erneut aufgreifen oder endgültig beenden.
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